Brauche ich als Arztpraxis eine Website?

15. Februar 2026·8 Min. Lesezeit
Brauche ich als Arztpraxis eine Website?

"Unsere Praxis ist voll, wir brauchen keine Website." Diesen Satz höre ich regelmäßig, wenn ich mit Ärzten spreche. Meistens kommt er mit einem überzeugten Lächeln. Und ich verstehe das auch. Wenn die Praxis gut läuft, warum dann Zeit und Geld in eine Website stecken? Aber aus meiner Erfahrung mit lokalen Unternehmen in Frankfurt und Umgebung weiß ich: Eine Website lohnt sich auch dann, wenn die Praxis voll ist. Lass mich dir erklären, warum.

Die kurze Antwort: Ja.

Eine eigene Website ist für Arztpraxen heute kein "Nice-to-have" mehr, sondern Standard. Patienten erwarten sie. Google bewertet dich danach. Und deine Konkurrenz hat längst eine.

5 Gründe, warum deine Praxis eine Website braucht

1. Patienten suchen online nach Ärzten

Rund zwei Drittel der Deutschen recherchieren Gesundheitsthemen online1. Die Hälfte hat bereits Arzttermine digital gebucht, und 27% wählen Praxen gezielt danach aus, ob sie Online-Terminbuchung anbieten2. Auch eine Jameda-Umfrage bestätigt: 42% nutzen Suchmaschinen zur Arztsuche, 31% gehen direkt auf Bewertungsportale3. Das sehe ich auch bei den Zugriffszahlen meiner Kunden: Die meisten Besucher kommen über Google, nicht über Empfehlungen oder Schilder an der Straße.

Typische Suchanfragen:

  • "Hausarzt Stadt neue Patienten"
  • "Zahnarzt in meiner Nähe"
  • "HNO-Arzt Stadt Termine"
  • "Kinderarzt Stadt Bewertungen"

Ohne Website tauchst du bei diesen Suchen nicht auf. Oder nur mit veralteten Informationen aus Drittportalen, auf die du keinen Einfluss hast.

2. Entlastung für dein Praxisteam

Das ist ein Punkt, der in Gesprächen oft unterschätzt wird. Eine gute Website beantwortet die häufigsten Fragen, bevor Patienten anrufen:

  • Sprechzeiten und Urlaubszeiten
  • Welche Leistungen bietest du an?
  • Wie komme ich zur Praxis? (Anfahrt, Parken)
  • Was muss ich zum Ersttermin mitbringen?
  • Welche Kassen werden akzeptiert?

Gut zu wissen: Praxen, die Sprechzeiten, Anfahrt und Formulare auf ihrer Website bereitstellen, entlasten ihr Team spürbar. Viele Routinefragen klären sich von selbst, wenn Patienten die Infos einfach online finden. Das bedeutet weniger Telefonate und mehr Zeit für die eigentliche Arbeit.

3. Kontrolle über deine Online-Präsenz

Ohne eigene Website bestimmen andere, wie du im Internet dargestellt wirst: Arztbewertungsportale, Google Business, Krankenkassen-Verzeichnisse. Die Informationen dort sind oft veraltet oder unvollständig.

Mit einer eigenen Website bestimmst du selbst:

  • Welche Leistungen hervorgehoben werden
  • Wie deine Praxis präsentiert wird
  • Welche Informationen Patienten zuerst sehen

4. Neue Patienten gezielt gewinnen

Auch wenn deine Praxis aktuell voll ist, gibt es gute Gründe, an die Zukunft zu denken:

  • Der Patientenstamm verändert sich (Umzüge, Wechsel)
  • Neue Leistungsbereiche aufbauen (IGeL, Privatleistungen)
  • Nachfolgeplanung, Praxiswert steigern
  • Bestimmte Patientengruppen gezielt ansprechen

5. Professioneller Auftritt

Eine moderne Website signalisiert: Diese Praxis ist zeitgemäß, organisiert und nimmt ihre Patienten ernst. Das gilt besonders für jüngere Patienten, die einen Arzt suchen. Ich erlebe es immer wieder: Gerade die Generation, die mit dem Internet aufgewachsen ist, schaut sich die Website genau an, bevor sie einen Termin macht.

Was gehört auf eine Praxis-Website?

BereichInhalte
StartseiteWillkommen, Überblick, Sprechzeiten
TeamÄrzte und Team mit Fotos
LeistungenBehandlungsspektrum, Schwerpunkte
SprechzeitenAktuelle Zeiten, Urlaubsvertretung
KontaktTelefon, E-Mail, Online-Terminbuchung
AnfahrtAdresse, Karte, Parken, ÖPNV
AktuellesNeuigkeiten, Urlaubszeiten, Hinweise

Rechtliche Anforderungen

Für Arztpraxen gelten besondere Anforderungen:

  • Impressumspflicht: Name, Adresse, Berufsbezeichnung, Kammer
  • Datenschutzerklärung: Besonders wichtig bei Kontaktformularen
  • Berufsrechtliche Vorgaben: Heilmittelwerbegesetz beachten
  • Barrierefreiheit: Wird zunehmend gefordert

Wichtig: Die Berufsordnung der Ärztekammer regelt, was auf einer Praxis-Website erlaubt ist. Laut §27 der Muster-Berufsordnung (MBO-Ä) ist sachliche, berufsbezogene Information gestattet, anpreisende, irreführende oder vergleichende Werbung dagegen verboten4.

Was kostet eine Praxis-Website?

Ich werde das oft gefragt, und meine ehrliche Antwort: Es muss nicht teuer sein. Hier eine Übersicht:

  • Baukasten: ab 10 Euro/Monat (eingeschränkt, und du musst alles selbst machen)
  • Professionell erstellt: ab 99 Euro/Monat inkl. MwSt. (Hosting inklusive)
  • Mit Online-Terminbuchung: je nach System, häufig ab 30 Euro/Monat

Einen detaillierten Kostenvergleich findest du in meinem Artikel: Was kostet eine Website für Handwerker?. Die Preise für Praxen sind vergleichbar.

Aber wir sind doch auf Jameda und Doctolib...

Das höre ich oft, und ich sage immer: Portale sind ein guter Baustein, aber kein Ersatz für eine eigene Website. 83,6% der niedergelassenen Ärzte sehen eine Internet-Präsenz als eine der drei wichtigsten Marketing-Maßnahmen5. Und das aus gutem Grund. Hier meine ehrliche Einschätzung:

  • Abhängigkeit: Die Portale können Bedingungen ändern oder kostenpflichtig werden. Du baust auf fremdem Boden.
  • Konkurrenz: Direkt neben deinem Profil werden andere Ärzte angezeigt. Du schickst deine Patienten im Grunde zur Konkurrenz.
  • Eingeschränkte Gestaltung: Du kannst deine Praxis nicht individuell präsentieren.
  • SEO-Nachteil: Eine eigene Website stärkt deine Google-Präsenz zusätzlich.

Meine Empfehlung: Nutze Portale UND eine eigene Website. Die Portale bringen dir Sichtbarkeit, die eigene Website gibt dir die Kontrolle.

Fazit

Eine eigene Website ist für Arztpraxen heute unverzichtbar. Du gewinnst neue Patienten, entlastest dein Team und kontrollierst, wie deine Praxis online wahrgenommen wird. Die Investition ist überschaubar und zahlt sich schnell aus.

Wenn du dir unsicher bist, ob sich eine Website für deine Praxis lohnt, schreib mir gerne. Ich berate dich ehrlich und unverbindlich.

Footnotes

  1. Bitkom: Zwei Drittel recherchieren nach dem Arztbesuch im Netz
  2. Bitkom: Die Hälfte der Deutschen vereinbart Arzttermine online (2024)
  3. Jameda-Studie: Internet ist wichtigstes Medium zur Arztsuche
  4. Bundesärztekammer: (Muster-)Berufsordnung für die in Deutschland tätigen Ärztinnen und Ärzte, §27 "Erlaubte Information und berufswidrige Werbung"
  5. Stiftung Gesundheit: Internetpräsenz beim Praxis-Marketing wichtiger denn je
Marius Helf

Über den Autor

Marius ist Webentwickler aus Frankfurt und hilft lokalen Unternehmen dabei, online sichtbar zu werden. Er erstellt moderne, schnelle Websites mit persönlicher Betreuung.

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